Kulm Golf in neuem Licht
Von
James Hogg
Auf 1864 Metern über Meer, fast genau dort, wo der Golfsport in der Schweiz seinen Anfang nahm, bietet der Kulm-Golfplatz ein spektakuläres Erlebnis. Wir schickten den renommierten und weitgereisten Golfplatz-Fotografen James Hogg auf eine Erkundungstour. In satterem Grün erstrahlen die Greens des Kulms noch nie.
Im Engadin entstanden die ersten Schweizer Golfclubs und -plätze nach britischem Vorbild. Erstmals erwähnt wurde der Golfplatz zwischen dem Bahnhof und St. Moritz Bad am 27. Juni 1891 in der englischsprachigen «Alpine Post» – mit der Ankündigung, dass der 9-Loch-Platz nach der Heuernte, etwa in der zweiten Juliwoche, bereitstehen solle. Man muss sich vorstellen, dass dies eher ein Platz auf Weideland war als Fairways und Greens, wie man sie heute kennt. Dieser erste Golfplatz der Schweiz, der als «St. Moritz Golf Club» bekannt war, wurde bald darauf aufgegeben.
Die perfekte Landschaft ist gefunden
Der Golfsport eroberte das Engadin jedoch in Windeseile. Bereits 1893 erteilte die Gemeinde Samedan dem Hotel Bernina die Bewilligung, in der Champagna einen 18-Loch-Golfplatz zu bauen, der noch im selben Jahr eröffnet wurde. Der zeitgleich gegründete Engadin Golf Club vereint heute alle Oberengadiner Golfclubs und ist der älteste Golfclub auf dem europäischen Festland.
Ab 1898 konnten die Gäste wiederum auf neun Spielbahnen im grossen Park des Kulm Hotels erneut abschlagen. Dieser Platz existierte bis 1964, musste dann weichen und erlebte ab 2001 dank der Initiative des St. Moritzer Golfplatzarchitekten Mario Verdieri eine Renaissance, die bis heute andauert.
Klein aber fein: der Kulm-Golfplatz
Abgesehen vom sagenhaften Blick auf die Berge ist der Platz schön gestaltet und überaus anspruchsvoll. Er fügt sich natürlich in die Konturen des Geländes und bietet eine Reihe einzigartiger Herausforderungen. Der 9-Loch-Par-3-Kurs von knapp unter 1’000 Metern Länge erfordert Präzision vom Abschlag, an jeder Ecke lauern Hindernisse. Das Branchenmagazin «Golf.de» resümiert: «Die Bahnen sind eng, die Höhenunterschiede fordern Technik und Kondition. Ein Platz, der Demut lehrt und mit seiner historischen Aura besticht.»
«So golden die Stunden, so tückisch die Bedingungen: Jeden Morgen zog dichter Nebel auf.»
Der Fotograf und seine «goldene Stunde»
James Hoggs Auftrag war den Platz fotografisch neu in Szene zu setzen. Ein Grossteil der Aufnahmen entstand bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang – in der sogenannten «goldenen Stunde» –, da diese Zeit die perfekten Lichtverhältnisse für Golfplatzfotos bietet. Doch so golden die Stunden, so tückisch die Bedingungen: Jeden Morgen zog dichter Nebel auf. Hogg beschreibt es als ziemliche Herausforderung, die aber zugleich eine seltene Gelegenheit bot. «Einige meiner Lieblingsbilder habe ich genau in dieser Zeit aufgenommen al der Nebel sich lichtet», sagt er.
In den Abendstunden warfen die umliegenden Berge kilometerlange Schatten über den Platz. Die verfügbaren Zeitfenster für das perfekte Bild schrumpften auf wenige Minuten zusammen. Für Hogg war die Beleuchtung das A und O. Der richtige Moment, erklärt er, könne über das Schicksal einer Aufnahme entscheiden. Das Erkunden einer Landschaft mit dem Objektiv in der Hand, das sei eine seiner grössten Leidenschaften.
Doch nicht nur das Licht des Tages zog den Fotografen in seinen Bann. Hogg erzählt, wie er eines Nachts allein über den Platz spazierte und versuchte, die Milchstrasse zu fotografieren. «Die Lichtverschmutzung hier ist enorm gering und die Luftqualität ausgezeichnet», schwärmt er. Die Sterne stehen gut, zumindest für alle, die das Engadin und den Golfsport lieben.
Über den Fotograf
James Hogg ist ein weltweit renommierter Golfplatz-Fotograf. Er ist für seine herausragenden Arbeiten für prestigeträchtige Golfplätze, Privatclubs, Luxusresorts und Golfplatz-Architekten bekannt. Ausserdem ist er ein hochqualifizierter und ausgewiesener Dronenpilot.