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Geschichten rund um die alpine Spielwiese von St. Moritz

Hitze, Eis und Stille: Sauna-Ritual im Kulm Hotel

Hitze, Eis und Stille: Sauna-Ritual im Kulm Hotel

Von
Michael André Ankermüller

Was seit Jahrtausenden Teil menschlicher Kultur ist, erhält im Engadin eine alpine Neuinterpretation. Im Kulm Hotel verbinden sich die wissenschaftlich belegten Effekte des Saunierens mit der Kraft der Berge zu einem Erlebnis, das weit über klassische Wellness hinausgeht. Wie Autor Michael André Ankermüller beschreibt, ist der Rhythmus im Zentrum, während die verschneiden Gipfel die Kulisse bilden – sie bringen Ordnung in den Körper und Klarheit in den Kopf.

Minus zwölf Grad draussen, frischer Schnee knirscht unter den Füssen, klare Höhenluft. Drinnen: trockene Hitze, der Duft von Holz und frischen Lärchenzweigen. In der finnischen Sauna des Kulms beginnt ein Ritual, das so alt wie universell ist – und hier, auf über 1’800 Metern Höhe, eine ganz eigene Intensität entfaltet.

Schon nach wenigen Minuten perlt der Schweiss auf der Haut, die Muskeln lassen los, der Atem wird tiefer. Es ist ein Wechselspiel aus Hitze und Kälte, ein eingeübter Kreislauf von Spannung und Entspannung. Draussen wartet der Winter, drinnen die Glut. Jeder Gang ins Eiswasser, jeder Sprung in den Panoramapool, jeder Moment im Ruheraum schreibt ein neues Kapitel dieser alpinen Zeremonie.

Ein Rhythmus wie Musik

Das Saunaritual im Kulm folgt einem schlichten Dreiklang: Wärme, Abkühlung, Ruhe. Zehn Minuten in der Sauna, dann hinaus in die eisige Engadiner Luft. Der Atem kondensiert, der Schnee knirscht. Wer den Sprung ins eiskalte Becken wagt, erlebt zunächst Schock, dann Euphorie: Millionen kleiner Nadelstiche verwandeln sich in pure Energie, Herzschlag und Atem finden einen neuen Takt. Schliesslich die Ruhe – ein Liegestuhl, ein Glas Wasser, der Blick auf die Gipfel, die sich im Panoramapool spiegeln.

Alles fügt sich zu einem natürlichen Rhythmus, fast wie eine Komposition: Das Zischen des Aufgusses, das Knistern des Feuers, das Knirschen des Schnees unter nackten Füssen. Hitze, Kälte, Stille und Bewegung verschmelzen zu einer Symphonie für Körper und Geist.

 

 

«Millionen kleiner Nadelstiche verwandeln sich in pure Energie, Herzschlag und Atem finden einen neuen Takt.»

Internationale Kultur
Die Sauna im Kulm ist mehr als Wellness, sie ist Kultur im Kleinformat. Es treffen Gewohnheiten und Rituale aufeinander:

Deutsche mit ihrer Präzision und klaren Abläufen.
Finnen, die scheinbar beiläufig und selbstverständlich sitzen, als wären sie in einer Hütte am Polarkreis.
Italiener und Spanier, die Badekleidung wie eine Fahne der eigenen Kultur tragen.
Japaner, die jeden Schritt meditativ gestalten.
Schweden, die sich mit stoischer Gelassenheit zwischen Aufguss und Kältebad bewegen.
Amerikaner, die neugierig staunen.

Doch im entscheidenden Moment verschwinden Unterschiede. In der Hitze schwitzt jede Haut, in den Lungen arbeitet derselbe Atem. Die Grenzen scheinen sich aufzulösen – zugunsten einer stillen, verbindenden Präsenz.

Mehr als Wellness – ein Erlebnis, das bleibt
Wer die Sauna im Kulm Hotel betritt, spürt die Balance von althergebrachter Rituale und moderner Grandezza. Jeder Atemzug wird bewusster, jeder Schritt im Schnee bedeutungsvoller, jede Bewegung im Wasser intensiver. Sauna wird hier zu Meditation: ein Moment der Erdung, der Gelassenheit, der Rückkehr zu sich selbst.

Es ist kein kurzer Wohlfühlmoment, sondern ein Erlebnis, das nachhallt – tief im Körper, klar im Kopf. Und es erinnert daran: Manchmal genügt ein Raum voller Hitze und ein Sprung ins Eis, um die Welt neu zu ordnen.

Über den Autor

Michael André Ankermüller ist Vielreisender, Journalist und Geschichtenerzähler mit einem Gespür für die unsichtbaren Details, die Orte zum Leben erwecken. Ob luxuriöses Alpenresort oder versteckte Gassen einer Weltstadt – er taucht ein in Kulturen, Traditionen und Rituale, um das Aussergewöhnliche im Alltäglichen sichtbar zu machen.